Herausforderung: Jahr der Berufung

Gemeinsames Konzert mit Gregor Linßen auf dem Freiburger Münsterplatz

"Kann man heute überhaupt noch jemanden für das Thema Berufung begeistern?" - eine Frage, die sich die MUSIK-WERKSTATT Freiburg (MWF) anlässlich des Jahres der Berufung in der Erzdiözese gestellt hat. Mit der neuen Liedersammlung "dein weg bewegt" und Musikwerkstätten zum Thema Berufung suchte sie nach Antworten und war von der Resonanz auf ihr Angebot positiv überrascht: Mehr als 700 Zuhörer wollten allein bei der vergangenen Musikwerkstatt, die anlässlich des 2. Freiburger Diözesantag Anfang Juli in Freiburg, St. Andreas stattgefunden hat, neue Berufungslieder hören. Jung und Alt zeigten sich von den mitreißenden und nachdenklichen Psalmen, Liedern und Gesängen begeistert.

Begeisterung für Berufungslieder? – danach sah es anfangs gar nicht aus: Die Fußballweltmeisterschaft fesselte in diesen Tagen die Menschen an die Bildschirme und bescherte nicht nur der MUSIK-WERKSTATT, sondern auch dem Diözesantag an diesem Wochenende bloß mäßige Teilnehmerzahlen. So waren insgesamt nur 35 Sängerinnen und Sänger zu dem dreitägigen Chor-Workshop zusammengekommen, um die NGLs aus dem Chorheft "dein weg bewegt" kennen zu lernen und gemeinsam mehrstimmig einzuüben.

Ein arbeitsreiches musikalisches Wochenende erwartete die Teilnehmer: Der Projektchor war für die Mitwirkung beim Diözesantag angefragt worden und musste sich in kürzester Zeit auf vier ganz unterschiedliche Auftritte vorbereiten: Ein Open Air Konzert mit Gregor Linßen auf dem Münsterplatz am Samstagabend sollte den Diözesantag einläuten. Am Sonntagmorgen stand die Mitwirkung beim Sonntagsgottesdienst in St. Michael, Haslach, auf dem Programm. Und beim großen Bistumsfest rund ums Freiburger Münster war man für die Gestaltung des Mittagsgebets im Münster und für ein Offenes Singen am Nachmittag in St. Martin zuständig, All das forderte viel Motivation und Durchhaltevermögen von den Teilnehmern, von denen einige zum ersten Mal in einem Chor sangen.

Wie gut, dass es Leo Langer, der die Chorarbeit übernommen hatte, so gut gelang, seine Sänger bei Laune zu halten: Ob ein getanzter "Swing your arms and roll your hips"-Kanon zum Einsingen, unnachahmliche Darbietungen, wie ein guter Chorsänger gerade nicht singen sollte, oder spannende Hintergrundgeschichten zu den Stücken aus dem neuen Chorheft (Von wem stammt denn nun der "überarbeitete" Chorsatz zu Linßens "Herr, in Deine Hände"?) - die Teilnehmer hatten neben intensiver Probenarbeit auch einiges zu lachen.

Dafür, dass in den entscheidenden Momenten Ruhe einkehrte und bei all der Hektik Gelegenheit zu Sammlung und Besinnung blieb, sorgte Pfarrer Heinz Vogel mit seinen geistlichen Impulsen. Besonders das Morgengebet am Samstag früh draußen auf dem Kirchenplatz von St. Andreas - in strahlendem Sonnenschein und mit Vogelgezwitscher - ließ Kraft tanken für den arbeitsreichen Tag, der die Teilnehmer erwartete.

Zahlreiche neue Lieder und Chorsätze galt es einzustudieren: darunter beispielsweise einen rhythmischen Satz von "Gott liebt diese Welt" im Hip-Hop-Stil, der die Textaussage des Gotteslobliedes besonders unterstreicht, oder zwei neue Kanones, die das Motto zum Jahr der Berufung "dein weg bewegt" auf ganz unterschiedliche Weise musikalisch interpretieren.

Natürlich wurden auch viele neue Lieder von Gregor Linßen geprobt, die beim Konzert am Abend zusammen mit dem Komponisten dargeboten werden sollten, so z.B. das Katholikentagslied "Vor Dir stehn wir" oder das pfiffige Heilig-Geist-Lied "Veni sancte spiritus".

Von der eigenen Berufung singen, Freude am Glauben vermitteln und andere Menschen für die Frohe Botschaft begeistern – das war die Idee dieses Workshops, und darum durfte der Projektchor mit seinen Liedern gleich viermal auftreten. Der Höhepunkt des Wochenendes war das Konzert zur Eröffnung des Diözesantags auf dem Freiburger Münsterplatz. Zusammen mit Gregor Linßen und der Gruppe AMI auf der Bühne stehen und open air zu singen, war nicht nur ein besonderes Erlebnis, sondern auch eine spannende Herausforderung: Wie viele Menschen würden wohl kommen, wenn zeitgleich Brasilien und Frankreich um den Einzug ins Halbfinale spielten? Wen würde man mit seiner Botschaft erreichen? Bald schon füllte sich der Münsterplatz mit 300 Zuhörern, und ein bunt gewürfeltes Publikum aus NGL-Kennern, Gregor-Linßen-Fans, Freiburg-Touristen, neugierigen Abendspaziergängern und Fußballmuffeln ließ sich schnell begeistern und stimmte - klatschend und tanzend - immer wieder kräftig in den Gesang mit ein.

Von einer ganz anderen Atmosphäre lebte das Mittagsgebet am Sonntag im Hochchor des Freiburger Münsters: Eingebettet in die Tagzeitenliturgie, verortet in dem stimmungsvollen Kirchenraum und von Barbara Kolberg feinfühlig an der Orgel begleitet, schufen die Lieder eine kontemplative Stimmung und luden die Mitfeiernden zum besinnlichen Mitsingen ein.

Zum Offenen Singen am Nachmittag in St. Martin kamen weitaus weniger Diözesantags-Besucher als erwartet, und doch war auch dies eine gelungene Veranstaltung: Die Gäste, erschöpft und unter der unerträglichen Hitze in der Kirche leidend, wollten lieber zuhören statt mitsingen und lehnten sich in ihren Bänken zurück. Interessiert verfolgten sie die Erklärungen Leo Langers, der auf den Textgehalt der Lieder und so manche musikalische Besonderheit aufmerksam machte, und genossen den Gesang des Chores, der schließlich doch noch die Zuhörer mit seiner Begeisterung ansteckte.

Am Ende dieses Tages konnten alle zufrieden und geschafft auf eine arbeitsreiche, aber erfüllte und bereichernde Musikwerkstatt zurückblicken:

Man hatte mit den neuen Liedern eine breite Öffentlichkeit erreicht und vielen Leuten eine Idee davon vermittelt, wie eine gelingende, den Menschen nachgehende Liturgie aussehen kann. Außerdem hatte es ein freudiges Wiedersehen mit Johannes Falk gegeben, der der MUSIK-WERKSTATT – seiner alten Wirkungsstätte – nach langer Zeit mal wieder einen Besuch abgestattet hatte. Doch das wichtigstes Fazit des Wochenendes lautete: Berufungslieder sind lange noch nicht out!

Monika Cajkovac

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