"PETRUS und der Hahn" – Musikwallfahrt der MUSIK-WERKSTATT Freiburg

Das Publikum ist irritiert. Es ist Dienstagabend, kurz nach sieben in der Basilika S. Giovanni in Laterano in Rom. Stimmengewirr dringt aus allen Ecken, Menschengrüppchen schlendern gemütlich durch die dunkle Kirche und unterhalten sich über Gott und die Welt. Eigentlich sollte hier seit einigen Minuten die Uraufführung des Oratoriums "Petrus und der Hahn" von Gregor Linßen begonnen haben. Doch hier sieht es nicht danach aus, als ob gleich ein Konzert stattfindet. In dem bestuhlten Längsschiff in der riesigen Kirche stehen die Stühle falsch herum, mit dem Rücken zum Altar, das ungeduldig wartende Publikum blickt auf eine leere Bühne, eine riesige Leinwand versperrt den Blick zum monumentalen Hauptportal der Kirche. Nur ein Streichquartett stimmt in aller Gemütsruhe seine Instrumente. Sonst tut sich nichts. Plötzlich wandelt sich das Getuschel ringsum in ein vielstimmiges Summen, die Menschengruppen, die eben noch durch die Kirche spazierten, setzen sich singend in Bewegung und nehmen ihren Platz auf der Bühne ein. Das Stück hat längst begonnen.

Ein aufwändiges Oratorium aus Neuen Geistlichen Liedern verspricht der Handzettel, der am Eingang ausliegt. 100 Sänger, 14 Instrumentalisten singen davon, welche Aufgabe der Mensch als Christ hat und wie er seine Aufgabe bewältigen kann. Die 22 Stücke des Oratoriums werden untermalt mit Bildern auf einer 18 m2 großen Videoleinwand. Das Stück ist der Abschluss der diesjährigen Musikwallfahrt der MUSIK-WERKSTATT Freiburg.

Bereits zum dritten Mal veranstaltet die MUSIK-WERKSTATT eine solche Musikwallfahrt, bei der es darum geht, geistliche Musik als sinnenhaftes Erlebnis zu erfahren. Musik und Aufführungsort sind eng aufeinander bezogen, besonders verortet, ja die Musik für die Wallfahrt entsteht erst eigens für diesen Anlass – dann, wenn feststeht, wohin die Pilgerreise gehen soll. Und die Teilnehmer sind eingeladen, das völlig neue Stück auf ihrer Wallfahrt kennen zu lernen, seine Verortung zu erleben und sich so die Botschaft der Texte persönlich zu erschließen. 1998 war man so schon nach Jerusalem gepilgert, 2002 führte die zweite Wallfahrt nach Assisi. Dieses Mal hieß das Ziel also Rom.

Insgesamt 130 musikbegeisterte Jugendliche und Erwachsene sind der Einladung der MUSIK-WERKSTATT gefolgt, sich auf die Spur des Heiligen Petrus zu begeben, um seinen Weg nach Rom hinein nachzugehen. Doch zuvor hieß es, sich mit dem neuen Oratorium "PETRUS und der Hahn" vertraut zu machen. In einem Bildungshaus in den Albaner Bergen unweit von Castel Gandolfo, wo der Papst die Sommertage verbringt, fand die Probenphase statt. Von früh morgens bis spät in die Nacht übten die jungen Leute mit großem Engagement ihre Chorsätze und Instrumentalstimmen, in nur sieben Tagen hatten sie das Werk schließlich dank kundiger Leitung von Leo Langer und Gregor Linßen und der Mitarbeit von zwei weiteren Chorleitern und Stimmbildnern aufführungsreif einstudiert.

Die Tage gemeinsamen Singens und Betens, die Erfahrung des Miteinanders während des Probens und in der Freizeit - beim Wandern um den Albaner See oder Ausruhen im schattigen Park des Hauses - und vor allem die beeindruckende Wanderung durch die dunkle Nacht auf der Via Appia zu Fuß nach Rom hinein, haben die Gruppe zusammengeschweißt - und das ist hier in der Lateranbasilika nun auf besondere Weise hörbar und miterlebbar.

Schritte, Wege, Türen – das sind die Motive, die das Oratorium inhaltlich prägen, die aber auch in den vergangenen Tagen für die Musikwallfahrer wichtig waren. Immer wieder waren sie wichtige Impulse in den Gebeten und Gottesdiensten, die die anstrengenden Probentage geistlich begleiteten. Sie werden hier in den Fotos, Bildern und Szenen auf der Videoleinwand für die Zuhörer lebendig und lassen sie an wichtigen Momenten dieser Wallfahrt teilhaben. Wenn der Chor stimmgewaltig das Lied "Die Tür steht weit offen" anstimmt und das Publikum das Portal des Laterans sich öffnen sieht, hinter dem sich der Weg nach draußen ins Helle eröffnet, wird klar, welche Bedeutung diese Tür für das Stück und die Wallfahrt hat, warum man sich gerade diese Kirche für die Aufführung ausgesucht hat.

Man spürt, mit welcher Begeisterung und welchem Engagement die Sänger und Musiker bei der Sache sind. Das steckt an – ebenso wie die fetzige Musik von "PETRUS und der Hahn", die stark vom Sprachrhythmus der Texte geprägt ist. Gregor Linßen gelingt es mit diesem markanten Stil immer wieder, Musik und Rhythmus in Dienst zu nehmen, um die Texte seiner Lieder besonders auszudeuten. So entsteht an diesem Abend eine besondere Atmosphäre, die das anfangs skeptische römische Publikum immer wieder spontan zu dankbarem Applaus hinreißt. Auch wenn die Zuhörer nicht jedes Wort verstehen – die deutschsprachigen Neuen Geistlichen Lieder und Bibeltexte sind nur zum Teil mit italienischen Untertiteln unterlegt – die Botschaft des Stückes und seine Mut machende Verheißung kommen dennoch an.

Schnell wird klar, dass das, was hier heute Abend geboten wird, kein normales Konzert ist und auch keines sein will. Es ist vielmehr das große musikalische Abschlussgebet dieser besonderen Wallfahrt, die nun Rom verlässt und in die Welt hinauszieht. Zunächst ins Kloster Hegne am Bodensee, wo "PETRUS und der Hahn" erstmals auf deutschem Boden zu hören ist, ehe sich das Oratorium auf seinen Weg macht in andere Kirchen und Gemeinden, um dort an den Ruf des Hahnes zu erinnern und zu künden, dass wir uns, wie Petrus, von Gott begleitet wissen dürfen, wohin auch immer uns unsere Wege führen …

Text: Monika Staib
Fotos: Wolfgang Weniger

Weitere Informationen zum Oratorium und zur Musikwallfahrt gibt es unter
www.petrus-oratorium.de

 

Die nächsten Aufführungen von "PETRUS und der Hahn":

02.05.2008, 20.00 Uhr, Neuss, Hl. Dreikönige
17.05.2008, 20.00 Uhr, Ettlingen, Herz-Jesu
22.05.2008, 20.00 Uhr, Osnabrück, Katholikentag
23.05.2008, 20.00 Uhr, Osnabrück, Katholikentag
28.06.2008, 20.00 Uhr, Bad Rappenau, Landesgartenschau
09.07.2008, 19 Uhr, Lateranbasilika in Rom
18.10.2008, 20 Uhr, Duisburg, St. Josef

Siehe auch: Veranstaltungen

 

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