Groove im Gottesdienst? - Eine neue Messe von Wolfgang Klockewitz

Wer 2005 beim großen diözesanen Weltjugendtagsgottesdienst auf dem Mannheimer Maimarktgelände dabei war, der kennt ihn und seine Musik: Wolfgang Klockewitz, professioneller Musiker mit einer Vorliebe für Swing, Jazz und moderne und experimentelle Musik hatte die Arrangements zu den Neuen Geistlichen Liedern des Gottesdienstes geschrieben und mit diesem Sound den Erzbischof und die 25.000 mitfeiernden Jugendlichen begeistert. Der Komponist, Arrangeur und Jazzpianist arbeitet seitdem mit der MUSIKWERKSTATT Freiburg zusammen. A Groovy Celebration ist sein neuestes Projekt: eine Messe, die lateinische und englische Messtexte mit moderner Musik unterlegt. Was das Besondere an der Komposition ist, erzählt er im Gespräch mit Monika Cajkovac:

"A Groovy Celebration!" - der Titel sagt es bereits - ist keine Messe in deutscher Sprache. Warum schreiben Sie nicht auf deutsch? Und ist die Kombination latein-englisch nicht ziemlich gewagt?

Keineswegs! Der Grundstein für das sprachliche Konzept der Messe wurde mit dem Gloria gelegt, das 2005 für den Weltjugendtag entstanden ist. Damals hatte ich einfach den Auftrag bekommen, ein rockiges Gloria zu schreiben. Ein "Gloria" wohlgemerkt und kein "Ehre sei Gott", womit der Text für die "Hookline" "Gloria in excelsis Deo" praktisch schon vorgegeben war. Die Melodie folgte auf dem Fuße.

Ein rein lateinisches Gloria mit Rockmusik zu schreiben, erschien mir jedoch nicht angebracht, und durch meine langjährigen Erfahrungen mit Gospelmusik war mir intuitiv klar, dass hier ein englischer Text hergehört. Mehrsprachige Messen aus dem Popbereich hatte ich schon vor Jahren kennen gelernt, und ich fand es spannend, die lateinischen Texte, die ich noch aus meiner Kirchenchorvergangenheit kannte, neu zu entdecken, indem ich sie mit englischen Übersetzungen kombinierte.

Ich habe mich eigentlich nie bewusst gegen die deutsche Sprache entschieden, Englisch war einfach nahe liegender - als traditionelle Sprache von Gospel, Blues, Jazz und Rock. Na, ja, vielleicht spielte aber auch meine Erfahrung mit dem NGL eine Rolle: In den 70ern und 80ern kamen diese Lieder manchmal etwas gestelzt daher: Betroffenheitslyrik, seltsame sprachliche Rhythmisierung, Möchtegern-Popsongs, womöglich Schlager!!! Klar habe auch ich mit Begeisterung "Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt" gesungen, es gab ja nichts anderes. Aber "Smoke on the water" - das rockte richtig. Die spätere Erfahrung von richtiger amerikanischer Gospelmusik, die einen schlicht umhaut, wenn sie gut gemacht ist, hat mich darin bestärkt, Kirchenmusik zu machen, die sich jenseits von Klampfe und Flöte bewegt.

A Groovy Celebration versucht genau dies: Liturgie mit anspruchsvoller und mitreißender Musik zu untermalen und begleiten. Der "Groove" ist dabei die gestalterische Idee, was meint das genau?

"Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind, da bin ich mitten unter ihnen", heißt es in der Bibel. Ein Grundbedürfnis von uns Menschen ist dieses Zusammensein, das Eins-Werden, sowohl miteinander als auch mit Gott. Musikalisch gesehen ist genau das die Idee von "Groove" (engl. für Nut, Führung, Rinne): Jeder einzelne spielt eine gewisse musikalische "Rolle", ist aber durch den Rhythmus mit allen (und allem) verbunden. Das kann zur körperlich-seelischen Erfahrung werden. Wenn man fühlt, wie alles miteinander einrastet und in dieser "Rinne" mühelos dahingleitet, dann hat man den Rhythmus, dann ist man "drin" im Groove. Wenn das auch noch in Seinem Namen geschieht, kann Er nicht anders als unter uns sein …

Und wie klingt das dann?

Stilistisch bewegen sich die einzelnen Teile der Messe zwischen Poprock, Funk und Jazz. Einflüsse aus Soul und Gospel sind unüberhörbar. Im Sanctus finden sich auch klassische Elemente wie z.B. polyphone Solisten- und Choreinsätze, mit der die Melodie fugenartig bearbeitet wird.

Gesetzt ist die Messe für zwei Solisten (Sopran und Tenor) und vierstimmigen Chor, begleitet wird sie am besten mit Keyboards, E-Gitarre, E-Bass, Schlagzeug und Percussion. Für das Gloria sollten noch Bläser vorgesehen. Als besonderes Element kommt im Hochgebet eine Rahmentrommel zum Einsatz.

Ihre Messe vertont nicht nur das Ordinarium, sondern auch das Hochgebet, das Vater unser und das Friedensgebet. Warum?

Der Grundgedanke dahinter ist, die Wandlung in ihrer Gesamtentwicklung musikalisch einzurahmen und so alle Einzelteile miteinander zu verbinden. Der Priester und die Gemeinde singen das aus dem Gotteslob bekannte 2. Hochgebet, müssen also nicht extra etwas Neues lernen. Darunter liegt ein gebrochener C7sus4 Akkord, gespielt mit einem warmen Synthsound. Der Chor beantwortet die einzelnen Aussagen des Priesters mit "Holy-Holy"-Rufen basierend auf denselben Akkordtönen. Darunter liegt die ganze Zeit der triolische Schlag der Rahmentrommel, die - an archaische Riten erinnernd - die Gemeinde auf einen gemeinsamen Rhythmus einschwingt. Die Sprachmelodie des Hochgebets ist ohnehin weitgehend triolisch, so dass sich der Zelebrant leicht auf den Rhythmus einstellen kann.

Der Reiz des vertonten Hochgebets liegt darin, dass die altbekannten Melodien und Gewohnheiten in einem neuen Licht erscheinen. Man hört aufmerksamer zu, wenn die Stimme des Priesters musikalisch unterlegt wird und spürt, wie die Spannung sich zum Sanctus hin aufbaut. Die Messe stellt z. T. recht hohe Anforderungen an den Chor und die Band. Das ist so gewollt. In gewisser Weise setzt meine Musik einen kräftigen Akzent gegen die vielen NGL-Liedchen, die mitunter so harmlos daherkommen. Solche Musik darf nicht harmlos sein!

Für die Gemeinde ist jedoch alles inklusive Vaterunser gut machbar - eine kurze Vorbereitung vor dem Gottesdienst genügt.

SängerInnen der MUSIK-WERKSTATT Freiburg und das Vokalensemble Vocamici haben letzten Herbst die Messe in einem viertägigen Workshop einstudiert und damit den Gottesdienst zum 100jährigen Jubiläum der Herz-Jesu-Kirche Ettlingen beeindruckend gestaltet. Wo kann man das Stück denn das nächste Mal hören?

Tja, die Musikwerkstatt in Hechingen ist ja leider schon vorbei - da konnte man die Stücke z. B. hören oder auch im Ostergottesdienst in St. Judas Thaddäus in Karlsruhe-Neureut. Die nächste Gelegenheit, A Groovy Celebration kennen zu lernen, gibt es bei der kirchenmusikalischen Werkwoche der Erzdiözese Freiburg, die vom 28. Mai bis zum 02. Juni in Rastatt stattfindet. Oder man nimmt einfach an der nächsten Musikwerkstatt im Herbst teil: An dem Wochenende vom 29.-30. September werden wir uns mit dem Thema "Firmung" beschäftigen und auch ein paar Stücke aus "A Groovy Celebration!" einstudieren.

Wer darüber hinaus Interesse hat an einem solchen Chorprojekt in Verbindung mit einem Workshop, kann sich gerne mit mir in Verbindung setzen.

Noten und weitere Informationen gibt es direkt bei:

Wolfgang Klockewitz
Tel.: 07243 / 525743
info(at)klockewitz.de

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