Überdiözesane Fachtagung "Neues Geistliches Lied" zu Gast in Freiburg
"Zwischenräume. Mein Woher, Warum und Wohin des NGL" – so lautete der Titel der 18. Überdiözesanen Fachtagung Neues Geistliches Lied, die dieses Jahr erstmals in Freiburg stattfand. Die MUSIK-WERKSTATT Freiburg hatte zusammen mit der afj (Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz) Kreative und Multiplikatoren aus der NGL-Arbeit vom 03. - 05. März 2006 in das Margarete-Ruckmich-Haus eingeladen, um sich über neue Entwicklungen und Projekte rund um das Neue Geistliche Lied auszutauschen.
Mit Saxophonklängen und Orgelimprovisationen, Psalmgebet und Texten von Ludwig Uhland und Reinhold Schneider wurden sie willkommen geheißen: Mehr als 50 Teilnehmer aus verschiedenen Bereichen der NGL-Praxis; darunter namhafte Texter, Komponisten, Kirchenmusiker und Theologen wie Gregor Linßen, Thomas Quast, Norbert Becker und Markus Pytlik, aber auch bislang unbekannte junge Talente wie Wolfhard Lippke oder die Bamberger Komponisten Johannes D. Kessler und Daniel A. Schmidt. Für sie hatte die MUSIK-WERKSTATT Freiburg eigens eine geistliche Münsterführung vorbereitet, die Gelegenheit bot, in Ruhe anzukommen, das Freiburger Münster neu kennen zu lernen und sich in Raum und Klang auf die NGL-Tagung einzustimmen.
Nachdem die Tagungen der letzten Jahre den Blick verstärkt nach außen gerichtet hatten (Themen waren Wahrnehmung, Wirkung und Wertschätzung des NGL bei Rezipienten und in den Medien), hatte man dieses Jahr bewusst einen spirituellen Schwerpunkt gesetzt: Der Studientag ging den Motivationen der eigenen Beschäftigung mit dem Neuen Geistlichen Lied nach. In verschiedenen Workshops konnten die Teilnehmer ihre spirituellen Kraftquellen aufdecken und sich über Kreativitätstechniken, Ziele ihrer Arbeit und Ideen sinnvoller Vernetzung austauschen. Als Ergebnis dieser Reflexion konnte Tagungsleiter Dr. Peter Hahnen zufrieden eine "geistliche Vergewisserung der NGL-Szene" feststellen, "die für ihr kreatives Schaffen unverzichtbar ist. Spirituelle Motivation und spirituelle Wirkung der Arbeit bilden hier eine spürbare Einheit."
Neben dieser spirituellen Verortung prägten aber vor allem die aktuellen kirchenpolitischen und kirchenmusikalischen Entwicklungen die Diskussionen der Fachtagung: Finanzielle Kürzungen bedrohen vielerorts eine vernünftige Arbeit der diözesanen NGL-Arbeitskreise und lassen die Frage laut werden, ob die Verantwortlichen nicht das pastorale Potenzial guter NGL-Arbeit verkennen und am falschen Ort sparen. Auch der Rückblick auf die Musik des Weltjugendtags ließ unter den Tagungsteilnehmern Missmut aufkommen: Besonders beim Schlussgottesdienst sei es versäumt worden, auf eine jugendgemäße, liturgietaugliche und zum Mitsingen einladende Liedauswahl zu achten, womit man das NGL unnötig in Misskredit gebracht habe. Erfreulich hingegen, dass das Neue Geistliche Liedgut bei den Planungen für das Gemeinsame Gebet- und Gesangbuch (GBB) berücksichtigt wird. Ordinariatsrat Matthias Balzer, Mitglied der AG Lieder, der im Konferenzteil der Tagung von dem Stand der Arbeit berichtete, will hierfür auch weiterhin im Kontakt und Austausch mit den Fachleuten aus der NGL-Arbeit bleiben.
Neue Lieder – vielleicht sogar GGB-geeignete? – gab es auch dieses Jahr wieder reichlich: Texter und Komponisten hatten mehr als 60 neue Stücke mitgebracht, die sie im Plenum vorstellten und von den Kollegen beurteilen ließen. So konnte man z.B. schon vorab die beiden offiziellen Lieder für den Katholikentag 2006 von Thomas Quast und Gregor Linßen kennen lernen. Besonders beeindruckten dieses Mal die Beiträge einiger jungen NGL-Komponisten, die mit einem frischen, unverbrauchten Stil überraschten und neue Akzente im NGL versprechen. Bemerkenswert waren auch wieder die Stücke, die Willem de Boer und Albert Arens aus Holland mitgebracht hatten: Einfache, ja schlichte Neue Geistliche Lieder, die vielleicht darum besonders gelungen wirken, weil sie sich in Text und Musik aufs Wesentliche beschränken.
Überhaupt ist es spannend zu sehen, in welche Richtung sich das Neue Geistliche Lied weiterentwickelt: Liturgie und Kirchenjahr prägen derzeit wieder die Themen des NGL, wobei neuerdings auch Lieder für ganz spezielle liturgische Anlässe entstehen. So wurden nicht nur zahlreiche Kyrie-, Gloria- und Credo-Gesänge vorgestellt, sondern auch Pfingst- und Fronleichnamslieder, ein Kanon für den Haussegen oder Gesänge für Trauerfeiern. Auch stilistisch ist beim NGL ein neues Bemühen um Liturgiefähigkeit erkennbar: Viele Stücke setzen sich bewusst mit traditionellen Texten (z.B. aus dem Ordinarium) auseinander, eine neue Pfingst-Sequenz von Norbert Becker zitiert gar wörtlich die deutsche Fassung des "Veni sancte spiritus" aus dem Gotteslob. Interessant auch, dass ausgerechnet das NGL, das seit jeher volkssprachliche Wurzeln hat, nun mehr und mehr Latein als Singsprache für sich wiederentdeckt.
Alles in allem war es eine informative und bereichernde Tagung, die wichtige Impulse für die eigene Arbeit gegeben hat und zahlreiche neue Lieder beschert hat. Nächstes Jahr ist die Fachtagung NGL in Osnabrück zu Gast und beschäftigt sich mit dem Thema: "Liturgie menschenfreundlich".
Monika Cajkovac
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