Das Projekt „Bandcoaching“ – Intensivförderung für junge Musikbands
Ein Rückblick

Es war ein spannendes Experiment und auch ein Stück weit harte Arbeit: das Projekt „Bandcoaching“, das nun mit einem großen Abschlussevent seinem Ende entgegengeht. Ein ganzes Jahr lang hat ein Team aus professionellen Musikern, Tontechnikern und Dozenten sechs jugendliche Musikbands in ihrer Probenarbeit begleitet und sie in verschiedenen Workshops gefördert und gefordert, um sie für den perfekten Bandauftritt fit zu machen.

Die Projektidee

Das Projekt, das vom Arbeitsbereich Musik im Seelsorgeamt Freiburg zusammen mit der MUSIK-WERKSTATT Freiburg veranstaltet wurde, hatte im April 2008 mit einem Eröffnungsfestival begonnen. Sechs ganz unterschiedliche Bands – von der traditionellen NGL-Gruppe mit akustischer Instrumentalbesetzung mit Gitarre, Cajón und Blockflöte bis hin zur rockenden Mädchenband mit drei E-Gitarren oder der laut-verstärkten Ska-Band der KJG-Gruppenleiter aus Konstanz – hatten sich hier mit einem überzeugenden Auftritt, glaubhafter Motivation und ansteckendem Spaß an der Musik in einem Auswahlverfahren ihren Platz im Bandcoaching-Projekt erspielt.

In drei mehrtägigen Workshops, einer vierwöchigen Praxisphase und der kontinuierlichen Betreuung durch einen persönlichen Bandcoach hatten die jungen Musiker nun Gelegenheit zu lernen, was für einen gelungenen Bandauftritt wichtig ist. Von den Profis bekamen sie dazu nicht nur theoretisches Wissen sondern auch praktische Tipps an die Hand, wie sie ihren musikalischen Ausdruck und ihre Bühnenpräsenz verbessern und die Fertigkeiten an ihren Instrumenten weiter ausbauen können. Die Förderung der Kreativität und die Ermutigung zum eigenen Stil waren dabei ebenso erklärtes Ziel der Dozenten wie die Vermittlung von Ensemblekultur und technischem Know-how, wie sie für das bandtypische Musizieren wichtig sind.

Vielfältiges Angebot an Inhalten und Methoden

Wie solche Lerninhalte mit Spaß in die Praxis umgesetzt wurden, davon konnte man sich bei den verschiedenen Workshops ein lebhaftes Bild machen. Methodenvielfalt prägte die Workshop-Phasen in der Heimschule Lender in Sasbach: Ob beim Vorspiel der Dozentenband, die den jugendlichen Musikern immer wieder eindrucksvoll und höchst professionell demon­strierte, wie durchdachte Arrangements und ein gelungenes Zusammenspiel klingen können, oder beim Live-Playing-Workshop, bei dem alle 42 Teilnehmer gemeinsam im Plenum lernten, wie man sich ein völlig neues Stück sinnvoll erarbeiten kann; ob im Einzel-Bandcoa­ching, wo jede Gruppe mit einem eigenen Dozenten arbeiten durfte und an ihren bereits ein­studierten Arrangements weiter feilen konnte, oder im gezielten Instrumentalunterricht für Keyboarder, Bläser, Schlagzeuger und Gitarristen – das vielfältige Angebot an Inhalten und Methoden bot reichlich Gelegenheit, Neues zu lernen, Kniffliges zu üben und Einstudiertes zu verbessern.

Musikalische Grundlagen – in Theorie und Praxis

Ein wichtiges Element des Coachings bestand in der Vermittlung musikalischer Grundlagen und der Förderung am eigenen Instrument. So lernten die Klavierspieler im Einzel-Instrumentalunterricht z. B. wieder neu den Aufbau von Akkorden, die verschiedenen Umkehrungen und wie man sie sinnvoll für die Klavierbegleitung nutzt. Auch dass der Keyboard-Spieler einer Band eine bestimmte Rolle im Bandensemble spielt und darum seine Begleitung entsprechend anpassen muss, erfuhren die Jugendlichen bei diesem individuellen Coaching. Angesichts solcher keyboard- und bandspezifischer Anforderungen gerieten die Keyboarder mit ihrer klassischen Klavierausbildung schnell an ihre Grenzen, so dass Klavierdozent Wolfgang Klockewitz – selbst Jazzpianist und musikalischer Hauptverantwortlicher des Bandcoachings – den Unterricht noch um hilfreiche Notentipps, neue Übetechniken und die Vorstellung nützlicher Software zum Time-Stretching und Pitchen erweiterte.

Auch im Gitarrenunterricht war Harmonielehre ein wichtiges Thema: Der Profigitarrist Andreas Mette erklärte seinen Schülern, wie man Akkorde interessanter gestalten und mit Hilfe von Optionstönen bestimmte Stimmungen in der Begleitung erzeugen kann. Als besonders hilfreich erwiesen sich die Pentatonik-Übungen und die Tipps zur Solo-Gestaltung, auf deren Grundlage sich die E-Gitarristen schnell passende Improvisationen und eigene Gitarren-Soli erarbeiten konnten.

Technisches Wissen für Bandmusiker

Neben all den musikalischen Kenntnissen und Fertigkeiten waren aber auch technisches Know-how und praktische Tipps zur Bandausstattung und Bühnentechnik wichtige Themen des einjährigen Coachings. Im Vocalcoaching mit der Stimmbildnerin Michelle Walker befassten sich die Sängerinnen und Sänger darum nicht nur mit wichtigen Grundlagen wie Atemtechnik, Stimmsitz und Singtechniken, sondern beschäftigten sich auch mit der technischen Seite des Singens: Wie geht man mit Mikrofon und Monitorboxen richtig um und worauf kommt es beim Soundcheck an?

Beim Tontechnik-Workshop folgten die Bandcoachingteilnehmer fasziniert den Erläuterungen des Bühnentechnikers Martin Schuhmacher. Der Fachmann erklärte ihnen anschaulich, wie ein Mischpult funktioniert und wie für eine sinnvolle Beschallung eines Raumes die Laut­sprecherboxen aufgestellt werden sollten. Er machte sie mit dem Unterschied zwischen dynamischen und Kondensatormikrofonen vertraut und gab den jungen Musikern außerdem hilfreiche Tipps mit auf den Weg, wie eine angemessene technische Ausstattung ihrer Band aussehen sollte.

Soziale Kompetenzen fördern

Besonders spannend aber war, was die Jugendlichen darüber hinaus an bandrelevanten Kenntnissen und Fähigkeiten im Rahmen des Coachings lernten. Gerade die unkonventionelleren Workshops, die sich nicht mit speziell musikalischen oder technischen Fragen beschäf­tigten, interessierten die Teilnehmer besonders und erwiesen sich im Nachhinein als außerordentlich wirkungsvoll.

Beim Herbstworkshop stand ein den Gruppenzusammenhalt förderndes Spiel in der Turnhalle der Heimschule auf dem Programm, bei dem die einzelnen Bands als Gruppe agieren und verschiedene anspruchsvolle Aufgaben gemeinsam bewältigen mussten. Wer traut sich was zu? Wer ermuntert wen? Wer übernimmt die Führung und Verantwortung in der Gruppe? Und wie funktioniert unser Zusammenspiel? – auf all die Fragen brachte das Spiel interes­sante Antworten, als es z.B. darum ging, am Seil schwingend einen Graben zu überqueren, blind einen Hindernisparcours zu meistern oder gemeinsam – nur durch dünne Bindfäden miteinander vernetzt – einen kleinen Ball in einem Basketballkorb zu versenken. Erhellend war vor allem die anschließende Reflexionsrunde, bei der die Jugendlichen selbst erkannten und kritisch analysierten, wie das eben erfahrene Gruppenverhalten ihr Zusammenspiel als Band und ihre Probenkultur widerspiegelt.

Ähnlich wirkungsvoll war der Bühnenpräsenz-Workshop mit dem Schauspieler und Theaterpädagogen Christian Schulz aus Freiburg. Zunächst eher skeptisch ließen sich die Bandcoa­ching-Teilnehmer auf die Spielvorschläge des Dozenten ein, ehe sie selbst merkten, wie sie durch die angebotenen Experimente und Rollenspiele an Selbstvertrauen gewannen. So fanden sie mit der Zeit sichtlich Spaß daran, auf der Bühne zu agieren, sich zu präsentieren und mit dem Publikum in Kontakt zu treten.

Praktische Umsetzung des Gelernten

Gelegenheit, all das neu Erlernte praktisch zu erproben, gab es im Anschluss an die Workshopreihe in der Praxisphase des Bandcoachings. Die sechs Bands waren nun gefordert, zuhause in der alltäglichen Bandarbeit das neue Wissen umzusetzen, an ihren Schwachpunk­ten zu arbeiten und ein neues Repertoire einzustudieren, das im Rahmen eines größeren Auftritts, z. B. beim Firmgottesdienst oder einem Benefizkonzert, der Öffentlichkeit präsen­tiert werden sollte. Auch hierbei wurden sie von ihren Bandcoaches vor Ort betreut und er­hielten ein kritisches Feedback zu ihrer Probenarbeit, den erzielten Fortschritten und der Wir­kung ihres Auftrittes.

Diese Phase des Coachings bot auch Gelegenheit, gezielt noch einmal auf all die Inhalte einzugehen, die in den bisherigen Workshops zu kurz gekommen waren: Liturgisches Wissen z.B. – welches Stück passt an welcher Stelle im Gottesdienst und welchen Charakter muss es haben? Oder Dramaturgie in Aufbau und Gestaltung eines Konzertabends – wie erzeuge ich Stimmung beim Publikum, wie halte ich den Spannungsbogen? Oder aber auch Überprüfung des technischen Equipments – was ist für den reibungslosen Ablauf eines Bühnenauftritts notwendig, wie behilft man sich bei technischen Problemen?

Fazit

All dieses und noch vieles andere mehr haben die sechs jungen Musikgruppen im dem nun­mehr zu Ende gehenden Bandcoaching-Jahr gelernt. Dabei waren sie mit bemerkenswerter Spielfreude, Wissenshunger und Spaß am gemeinsamen Lernen und Musizieren bei der Sache. Die verantwortlichen Organisatoren, allen voran Frank Barrois, Referent für den Arbeitsbereich Musik, Leo Langer, Leiter der MUSIK-WERKSTATT, und Wolfgang Klockewitz, musikalischer Hauptdozent, können zufrieden auf ein intensives, arbeitsreiches Projekt zurückblicken. Ob sich der große Aufwand gelohnt hat und die umfassende Förderung der jungen Musiker Früchte trägt? Das wird sich wohl erst mit der Zeit zeigen.

„Was die Bandmitglieder aber auf jeden Fall mitgenommen haben“, fasst Wolfgang Klockewitz die Ergebnisse des Bandcoaching-Projekts zusammen, „ist eine professionellere Art zu proben und auf Dinge zu achten, die vorher untergegangen sind, sei es musikalischer Art oder auch zum Thema Organisation und menschliches Miteinander. Die allermeisten Teilnehmer konnten wir motivieren und begeistern, nach Kräften weiterzuarbeiten. Am beeindruckendsten aber war für mich zu erleben, wie in den Proben oder bei Auftritten der Bands die Solisten aus sich heraus gingen, die Befangenheit hinter sich ließen und mit ihrer ganzen Persönlichkeit authentisch sangen oder spielten.“

Impressionen

 

Monika Staib