Ein Wochenende mit der Musikwerkstatt der Erzdiözese Freiburg
Evi Förster und ich, Jürgen Weick, sind beide Mitglieder im Familienchor „Laudato si“. Wir haben im Chor unterschiedliche Aufgaben. Evi Förster ist unsere Chorleiterin / Dirigentin und ich bin Notenwart. Diese Aufgabenstellung und das Interesse am Chorgesang und der Mitgestaltung an Gottesdiensten hat uns dazu bewogen, ganz kurzfristig, am 17. und 18. Juli 2010, an einem Seminar der Musikwerkstatt Freiburg teilzunehmen. Das Seminar wurde geleitet vom Bezirkskantor Leo Langer, dem Komponisten, Arrangeur und Jazzpianisten Wolfgang Klockewitz sowie dem Gefängnisseelsorger Dekan Peter Holzer.
Der Inhalt des Seminars war sehr vielversprechend. Wir lernten neue Lieder aus dem Bereich „NGL“ (Neues Geistliches Liedgut), probierten neue Arrangements aus und feilten am Zusammenspiel zwischen Musik und Gesang. Das ist eines der erklärten Ziele der Musikwerkstatt, das auch auf ihrer Homepage www.musik-werkstatt-freiburg.de nachzulesen ist. Dieses wurde vehement verfolgt. Wir verbesserten unseren Chorgesang und bekamen sehr viele nützliche Tipps, wie man das im Chor der eigenen Gemeinde umsetzen kann. Das wichtigste Ziel ist, dass bei allen Bemühungen am Ende ein schön gestalteter Gottesdienst steht, der die Gemeinde begeistert und das Lob Gottes erklingen lässt. Eine grundlegende Erkenntnis aus den vielen Tipps und Tricks war für uns, dass es bei einer Mitgestaltung des Gottesdienstes nicht auf die Darstellung des Chores, einzelner Chormitglieder und Musiker ankommt – kein übertriebener Perfektionismus ist gefordert, man muss nicht an den geschriebenen und vorgegebenen Noten und Instrumenten kleben und Fehler sind erlaubt – sondern darauf, dass das Lob Gottes im Vordergrund steht.
Im Zentrum des gesamten Workshops, des Seminars, stand eine Messe von Gregor Linßen „Kommt und seht! – Lieder für eine lebendige Liturgie“, die anlässlich eines Kirchweihfestes entstanden ist. Diese Messe und viele weitere Lieder wurden einstudiert, um die diversen Andachten und den Abschlussgottesdienst im Rahmen des Seminars zu gestalten. Dieser Gottesdienst war geprägt von viel Engagement und Spannung, welche die Besucher, unseren Priester Peter Holzer sowie alle Sänger und Musiker aus allen Ecken der Erzdiözese zusammenbrachte.
Kurzum, es war ein gelungenes Wochenende. Zum Schluss meines Berichtes füge ich noch einige Gedanken zum Gottesdienst aus dem o. g. Liedheft von Gregor Linßen an. Ich habe sie beim weiteren Durchblättern in den Pausen und zu Hause entdeckt und denke, dass sie zum Nachdenken anregen können.
„Ich habe mich entschieden: ich glaube, dass GOTT ist. Mehr weiß ich nicht. Ich kann niemandem beweisen, dass mein Glaube richtig ist. Niemand kann mir beweisen, dass es GOTT nicht gibt, oder dass er anders ist als die wechselnden Bilder, in denen ich GOTT finde. Glauben ist ein Wachbleiben, um die Momente der Begegnung mit GOTT zu erleben. Ein Teil meines Gottesbildes ist logisch, zum Beispiel, dass es ein GOTT ist. Ein anderer Teil ist dem Unvorstellbaren vorbehalten, zum Beispiel, dass GOTT ohne menschlichen Samen wie ein Mensch geboren werden konnte. Wenn ich allerdings versuche, dem unvorstellbaren Teil näher zu kommen, dann finde ich philosophische Spuren, die mir sagen, dass es möglich sein kann. Wenn ich nun an einen GOTT glaube, der mich trotz Milliarden anderer Menschen kennt, dann möchte ich Kontakt aufnehmen. Das geschieht alleine im Gebet. Das geschieht gemeinsam mit anderen im Gottesdienst.
Ich sehe auch die Liturgie der katholischen Messe als einen stammelnden Versuch einer Kontaktaufnahme. Sie ist entstanden aus Jesu Auftrag: Tut es zu meinem Gedächtnis: Feiert gemeinsam Abendmahl, wieder und wieder. In der jetzigen Zeit habe ich das Gefühl, dass dieser Auftrag auch eine Ermahnung ist, das Zusammenkommen zum Feiern des Geheimnisses des Glaubens als selbstverständlichen Teil des gemeinsamen Lebens zu sehen. Es scheint mir wichtig, einen Ort zum Nachdenken über den Sinn des Lebens zu haben, einen Ort der Begegnung mit Menschen guten Willens, einen Ort, an dem - möglicherweise gerade in dieser zwischenmenschlichen Begegnung - auch eine Begegnung mit GOTT stattfinden kann. Mir scheint es auch wichtig, sich trotz allen Zeitdrucks regelmäßig diese Stunde zu nehmen, um IHN zu feiern.
Ich nehme an, dass GOTT die Form nicht wichtig ist. Es gibt verschiedene Formen, von der festgelegten Liturgiefeier bis hin zur freien Gestaltung. Jeder Glaubende ist frei eine Form zu wählen. Wie der Grund der Feier entzieht sich auch die Form einer Bewertung.
Die sehr weitgehend festgelegte, katholische Liturgie kann mir eine stabile Hilfe sein, meine Gedanken zu leiten. Gerade die universelle, festgelegte Form hat einen großen Wert, weil ich dadurch überall auf der Welt diese Liturgie mitfeiern kann. Doch verstehe ich sie für mich in meinem Feiern von Gottesdienst nicht als unabänderbar vorgeschrieben. Jede Art von Liturgie ist erst dann menschentauglich, wenn sie - trotz des Geheimnisses - dem Mitfeienden ein Begreifen der Handlungs- und Gedankengänge ermöglicht. Und dabei spielt heutige Sprache eine wichtige Rolle. …“
Text: Jürgen Weick, Pfarrgemeinde Cosmas & Damian, Untergrombach
Fotos: Evi Förster, Pfarrgemeinde Cosmas & Damian, Untergrombach




