MUSIK-WERKSTATT Freiburg
c/o Bezirkskantor Leo Langer

 

Am Sandrain 15

D-76661 Philippsburg-Huttenheim

 

Telefon: (0 72 56) 45 76

Telefax: (0 72 56) 35 27

E-Mail: leo.langer(at)musik-werkstatt-freiburg.de

... nicht mehr wegzudenken

Der Umgang mit Neuen Geistlichen Liedern im Gottesdienst hat seit den ersten Versuchen im Umfeld des II. Vatikanischen Konzils in den sechziger Jahren, seit "Danke für diesen guten Morgen" und der "Duisburger Jazzmesse" eine lange Entwicklung durchlaufen. Von stürmischen, z. T. kämpferischen Zeiten einer Adaption fremder Formen wie Jazz und Gospel über die Zeit passiver Duldung der massenhaften Neuproduktion von Liedern für den Bereich der Jugend- und Kindermessen hat sich das NGL zu einer Form der liturgischen Musik weiterentwickelt, die im Bereich des normalen Gemeindelebens wie auch bei Kirchentagen und Großgottesdiensten nicht mehr wegzudenken ist.

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... auf dem Weg der "Verheutigung"

Von Musikprofis, auch vielen Kirchenmusikern, nach wie vor belächelt, von der Kulturpresse, insbesondere von der kirchenfernen, häufig geschmäht, hat die Mehrheit der Teilnehmer von Gottesdiensten sich ebenso wie die pastoral-liturgisch Verantwortlichen längst an das Singen und Musizieren auch popularmusikalischer Elemente in einer Text- und Tonsprache gewöhnt, die als "heutige", gewissermaßen aktuelle Äußerung zeitgenössischer Menschen in zeitgenössischem Kontext empfunden wird. Viele nehmen diese Elemente in gottesdienstlichem Zusammenhang wahr als Realisierung des von Papst Johannes XXIII. geforderten "Aggiornamento", einer Art von "Verheutigung" der Formen kirchlichen Lebens. Dies gilt für den Stil von Text und Musik von Gemeindeliedern ebenso wie für die klangliche Realisierung mit Combos und Bands, für den Singstil der Solisten und Chöre ebenso wie für andere Formen der Gestaltung wie Tanz und Pantomime.

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... mit normativem Einfluss

Die ganze Entwicklung trägt deutliche Zeichen einer Basis-Initiative. Lange Zeit dominierten einfache Formen popularer Musik im Stil "selbstgemachter" Texte und Songs, die von Gemeinde zu Gemeinde weitergereicht wurden. Erst durch die Kirchen- und Katholikentage, die sich seit den siebziger Jahren zunehmend als Massenveranstaltung mit durchweg jugendlichem Publikum darstellten, entstand eine Art Forum mit Drehscheiben-Charakter, so dass im deutschen Sprachraum insgesamt eine immer größere Zahl von Liedern bekannt werden konnte und in Liederbüchern zunehmend normativen Einfluss auf die Praxis der "normalen" Gottesdienste nahmen. Parallele Entwicklungen von liturgischer Musik im ausgehenden zwanzigsten Jahrhundert, insbesondere die Musik aus Taizé, ergänzten den Programmkanon ebenso wie die individuellen Anstrengungen einzelner Komponisten, Dichter und Verlage, die sich bundesweit und in beiden Konfessionen mit unterschiedlichem Erfolg um Kreativität und Qualität bemühen.

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... ein weitverzweigtes Netz

Schließlich begannen auch die Seelsorgeämter der Diözesen und die Referate für Kirchenmusik, sich dieser Sparte besonders von musikalischer Seite her anzunehmen. In dem Zusammenhang gründete das Amt für Kirchenmusik Freiburg Anfang der neunziger Jahre die MUSIK-WERKSTATT Freiburg. Einer der Bezirkskantoren, Leo Langer (Karlsruhe) wurde beauftragt, eine Arbeitsgemeinschaft aus pastoralen und musikalischen Mitarbeitern zusammenzustellen, um den vielen aktiven Musizierenden der Diözese in Workshops und Projekten, durch Noten und konkrete Tipps Hilfen für ein qualitätvolles Arbeiten anzubieten. Dabei entstand im Laufe der Zeit ein weitverzweigtes Netz von Chören, Bands, Gruppen und Einzelpersonen, die in und außerhalb der Erzdiözese Freiburg im Zusammenhang der Workshops und Projekte Kontakte miteinander pflegen.

Auf diesen Treffen, aber auch bei den großen Events wie Kirchentagen oder, gerade jüngst, beim Weltjugendtag, wird in Gespräch und Diskurs, beim Proben und Üben, besonders aber im Feiern verschiedenartiger Gottesdienste gemeinsam um den rechten Gebrauch der popmusikalischen Möglichkeiten gerungen.

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... gar nicht so einfach

Pop- und Rockmusik, Folklore und jazzartige Elemente sind im Hör-Alltag heute derart verbreitet, dass die Vorstellung, einmal für eine gewisse Zeit auf den Klang des Radios im Auto oder beim Frühstück, beim Joggen oder Spazierengehen, allein oder in Gesellschaft zu verzichten, vielen als ein ganz ungewöhnliches Ansinnen erscheinen dürfte. Diese Musik selber zu machen, durch instrumentale oder vokale Mittel aktiv damit umzugehen, ist allerdings dann schon wieder eine ganz andere und anspruchsvollere Sache. Auch jeder klassisch ausgebildete Musiker weiß aus Erfahrung, dass nicht nur die Realisierung alter, klassisch-romantischer, oder klassisch-moderner Musik schwierige Anforderungen an Sänger und Spieler stellt, sondern auch das Musizieren umgangsmäßiger Popmusik, die im Rundfunk scheinbar so simpel daherkommt. Erst recht gilt dies für Musik, die auf der Grenze zu Jazz, Rock oder Folklore steht. Diese Charakterisierung trifft aber für viele Neue Geistliche Lieder zu. Es ist eben eine eigene Kompetenz erforderlich, um mit dieser Musik liturgisch richtig, textlich sensibel und musikalisch mitreißend umzugehen.

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... verschiedene Wege führen zum Ziel

Deshalb beschreitet die Arbeitsgemeinschaft NGL in der Erzdiözese Freiburg im wesentlichen drei Wege, um zu einer Förderung des Neuen Geistlichen Liedes beizutragen.

1. Im ständigen internen Gespräch, bei Beratungen in kleinerem und größeren Forum, in der Begleitung von Projekten wie der Firmmappe oder dem Jugendkreuzweg, bei einzelnen Großgottesdiensten etc. führen wir die Diskussion um Musik und Liturgie im Umfeld des NGL stets weiter. Gelegentliche Mitarbeit in Editionen und CD-Aufnahmen konkretisieren diesen Diskurs.

2. Bei Basis-Workshops (Musik-"Werkstätten") in der ganzen Erzdiözese bieten wir unter Beiziehung von Profimusikern punktuelle Fortbildung und Beratung an. Dabei ist die rein musikalische Aufgabenstellung nur ein Teil unserer Arbeit. Die Einbindung in konkrete liturgische Situationen soll immer der entscheidende Prüfstein für Qualität von Text, Musik und Realisierung sein. Ein ständiger Dialog zwischen pastoral-liturgischen und musikalischen Mitarbeitern ist Voraussetzung dieses Unternehmens.

3. Etwa einmal im Jahr laden wir Teilnehmer(innen) aus der Erzdiözese zu größeren und kleineren Projekten ein, um neue Stücke einzustudieren und aufzuführen. Dabei ist einer der in Deutschland zur Zeit führenden NGL-Komponisten, Gregor Linßen aus Neuss, häufiger und gern gesehener Gast. Diese Arbeit hat sich seit Mitte der neunziger Jahre schon mehrfach in Form einer "Musik-Wallfahrt" abgespielt. Die besondere Situation einer größeren Gruppe von Menschen, die sich auf Reise befindet, erlaubt eine Intensität der inhaltlichen und musikalischen Arbeit und der Gemeinschaft, die der Einstudierung und Aufführung später anzumerken ist. Dabei gibt es immer einen inneren Zusammenhang zwischen den Inhalten der Musik und den Orten oder dem Weg, den sich die Gruppe vorgenommen hat.

So war man mit dem Oratorium "Die Spur von morgen" (Gregor Linßen) in Israel. Die Handlung bezieht sich auf Begebenheiten aus der Zeit des Urchristentums, wie sie in der "Apostelgeschichte" berichtet werden. So war es logisch, beim Kennenlernen des Oratoriums die "Originalschauplätze" aufzusuchen und mit den Melodien und Worten des neuen Stückes im Kopf das beeindruckende Land zu bereisen, in dem sich die dargestellten Ereignisse abgespielt haben.

Das nächste große Projekt hieß: "ADAM - Die Suche nach dem Menschen" (Gregor Linßen). Dieses Oratorium wurde in Assisi/Umbrien einstudiert und uraufgeführt. Im Mittelpunkt steht die Figur des Franz von Assisi. Neben der musikalischen Arbeit wurden Wanderwege und markante Plätze seiner Lebensgeschichte einbezogen.

Unser nächstes Projekt soll uns auf die Spuren des Apostels Paulus nach Süditalien und Rom führen.

 

Leo Langer, Bezirkskantor und Leiter der MUSIK-WERKSTATT Freiburg

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